Der erste Elternabend nach den Sommerferien ist der wichtigste des Jahres. Viele Eltern sehen die Gruppe, in der ihr Kind den Tag verbringt, zum ersten Mal von innen. Sie bilden sich in diesen zwei Stunden ein Urteil darüber, ob ihr Kind hier gut aufgehoben ist – und dieses Urteil hält länger, als es sollte. Für Fachkräfte ist der Abend zugleich der praktischste Termin des Jahres: Was hier geklärt wird, muss nicht zwölf Monate lang zwischen Tür und Angel besprochen werden.
Der Rahmen: Zeit, Ort, Einladung
Neunzig Minuten sind das Maximum, das berufstätige Eltern am Abend konzentriert mitgehen. Wer zwei Stunden ansetzt, verliert die letzten dreißig Minuten an Blicke auf die Uhr. Die Einladung geht mindestens zwei Wochen vorher raus und nennt drei Dinge: Beginn und Ende, die Themen in Stichpunkten, und ob eine Rückmeldung nötig ist. Eine Einladung ohne Themenliste liest sich wie eine Pflichtveranstaltung. Setzen Sie die Stühle in einen Kreis oder in ein offenes Viereck, nicht in Reihen. Eine Bestuhlung wie im Klassenzimmer erzeugt Frontalunterricht, auch wenn niemand ihn beabsichtigt.
Die ersten zehn Minuten entscheiden
Eltern kommen aus dem Feierabend, viele kennen einander nicht. Steigen Sie deshalb nicht mit Organisatorischem ein. Bewährt hat sich eine kurze Runde, in der jede Person sagt, zu welchem Kind sie gehört und was das Kind gerade am liebsten spielt. Das dauert bei zwanzig Eltern rund zehn Minuten, nimmt die Anspannung und liefert Ihnen nebenbei Informationen, die Sie im Alltag brauchen können. Wer es lockerer mag, nutzt eine Methode aus der Gruppenarbeit mit Kindern: Alle stellen sich nach der Länge des Schulwegs auf, nach dem Alter des Kindes oder nach dem Anfangsbuchstaben des Vornamens. Erwachsene machen das mit, wenn die Anleitung selbstverständlich klingt und niemand vorgeführt wird.
Was Eltern wirklich wissen wollen
Die Themen, nach denen am häufigsten gefragt wird, sind selten die, die auf der Tagesordnung stehen. In der Praxis sind es vier: Wie sieht ein normaler Tag meines Kindes aus, von der Ankunft bis zur Abholung? Wie gehen Sie mit Konflikten zwischen Kindern um? Was passiert, wenn mein Kind nicht essen will oder nicht schlafen kann? Und woran merke ich, dass es meinem Kind hier gut geht? Planen Sie für diese vier Fragen die Hälfte der Zeit ein, auch wenn sie nicht gestellt werden. Ein konkreter Tagesablauf mit Uhrzeiten sagt mehr als jedes pädagogische Konzept – und er nimmt der Frage nach dem Konzept die Schärfe.
Die häufigsten Fehler
Der erste ist die Materialschlacht: fünfzehn Folien zum Bildungsplan, die niemand behält. Der zweite ist die Einzelfallbesprechung im Plenum. Wenn ein Elternteil das Verhalten eines bestimmten Kindes anspricht, unterbrechen Sie freundlich und bieten einen Einzeltermin an – sonst verlieren Sie die Gruppe und verletzen Persönlichkeitsrechte. Der dritte ist der offene Schluss. Ein Elternabend, der ausläuft, weil die Zeit um ist, hinterlässt das Gefühl, dass nichts entschieden wurde. Fassen Sie die letzten fünf Minuten zusammen: Was wurde besprochen, was ist offen, wer macht was bis wann.
Danach: was übrig bleibt
Schreiben Sie am nächsten Tag ein kurzes Protokoll, eine halbe Seite reicht, und verteilen Sie es auch an die Eltern, die nicht da waren. Damit erreichen Sie genau die Familien, die Sie sonst schwer erreichen. Halten Sie außerdem fest, welche Fragen mehrfach kamen – das ist Ihre Themenliste für den nächsten Elternabend, und Sie müssen sie im Frühjahr nicht neu erfinden. Ein guter Elternabend zahlt sich das ganze Jahr aus: Eltern, die einmal gesehen haben, wie in der Gruppe gearbeitet wird, fragen im Alltag anders nach.