In deutschen Kitas wachsen immer mehr Kinder mit zwei oder mehr Sprachen auf. Das ist keine Herausforderung, sondern eine Chance – für alle Kinder. Mehrsprachigkeit fördert kognitive Flexibilität, Empathie und das Verständnis für kulturelle Vielfalt. Die Aufgabe der Kita ist es, jedes Kind in seiner sprachlichen Entwicklung zu unterstützen, ohne die Herkunftssprache abzuwerten.
Alltagsintegrierte Sprachförderung
Die wirksamste Sprachförderung passiert nicht in der Förderstunde, sondern im Alltag: beim Frühstück ('Reichst du mir bitte die Butter?'), beim Anziehen ('Welche Farbe hat deine Jacke?'), beim Spielen ('Was baust du da?'). Sprechen Sie langsam, deutlich und in vollständigen Sätzen. Wiederholen Sie, was das Kind sagt, in korrekter Form – ohne zu korrigieren: Kind: 'Ich hab gegeht.' Erzieherin: 'Ja, du bist gegangen. Wohin bist du gegangen?'
Sprachen sichtbar machen
Hängen Sie Begrüßungen in allen Sprachen der Kita-Kinder an die Eingangstür. Lassen Sie Kinder in ihrer Familiensprache bis zehn zählen – alle anderen zählen mit. Lesen Sie Bilderbücher in verschiedenen Sprachen vor – Eltern können dabei helfen. Das Farb-Quartett wird multilingual: Kinder benennen Farben in ihrer Sprache. Flüsterpost mit Wörtern aus verschiedenen Sprachen zeigt: Jede Sprache klingt anders, und das ist spannend.
Eltern als Sprach-Partner einbeziehen
Eltern sind die wichtigsten Sprachvorbilder ihrer Kinder. Ermutigen Sie Eltern, zu Hause in ihrer stärksten Sprache zu sprechen – das legt das beste Fundament für den Zweitspracherwerb. Bieten Sie mehrsprachige Elternbriefe an. Laden Sie Eltern ein, im Morgenkreis ein Lied in ihrer Sprache zu singen oder eine Geschichte zu erzählen. So wird Mehrsprachigkeit von der vermeintlichen Schwäche zur sichtbaren Stärke.
Häufige Fehler vermeiden
Verbieten Sie niemals eine Sprache in der Kita – auch nicht mit dem gut gemeinten Argument 'Hier sprechen wir alle Deutsch'. Kinder brauchen alle ihre Sprachen. Verwechseln Sie Sprachentwicklungsverzögerung nicht mit Mehrsprachigkeit – mehrsprachige Kinder mischen Sprachen, das ist normal und kein Defizit. Und: Nicht jedes stille Kind hat ein Sprachproblem. Manche Kinder beobachten erst lange, bevor sie in einer neuen Sprache sprechen – das ist die sogenannte 'stille Phase' und völlig gesund.