Ab Mitte Oktober kippt der Kita-Alltag. Die Kinder kommen im Dunkeln an, sie gehen im Dunkeln wieder, und der Garten ist an vier von fünf Tagen zu nass, zu kalt oder zu glatt. Genau dann suchen Fachkräfte nach Winterspielen und Adventsspielen für den Gruppenraum – und finden meistens Bastelanleitungen, für die man zwei Stunden Vorbereitung und einen Materialschrank braucht, den es so nicht gibt. Dieser Artikel macht es andersherum: zwölf Spiele für die dunkle Jahreszeit, die alle drinnen funktionieren, fast alle mit Material auskommen, das in jeder Kita ohnehin herumliegt, und die sich sofort einsetzen lassen. Sechs davon tragen durch den Winter allgemein, sechs sind für die Advents- und Vorweihnachtszeit gedacht. Am Ende steht, wo im Tagesablauf welches Spiel am besten sitzt.
Sechs Winterspiele für drinnen: Bewegung und Ruhe im Wechsel
Im Winter braucht der Tag drinnen einen Rhythmus aus Bewegung und Ruhe. Kinder, die sich nicht auspowern können, werden unruhig; Kinder, die nur toben, kommen nicht mehr runter. Diese sechs Spiele decken beide Seiten ab. Stopptanz ist der schnellste Weg, Energie aus einer Gruppe zu holen: Musik an, alle tanzen, Musik aus, alle frieren ein. Fünf Minuten reichen, und man braucht nichts außer einer Musikanlage. Der Kissen-Parcours nutzt, was im Ruheraum schon liegt: Kissen, Decken und Polster werden zu Inseln, über die balanciert, gesprungen und gekrabbelt wird. Der Aufbau dauert drei Minuten, die Kinder bauen ab der zweiten Runde selbst weiter. Beim Wattebausch-Rennen pusten die Kinder Wattebäusche mit einem Strohhalm über den Tisch – optisch Schneebälle, tatsächlich eine gute Übung für die Atemkontrolle. Das Spiel ist leise und trotzdem spannend, was in einer aufgedrehten Gruppe Gold wert ist. Klatschspiele brauchen null Material und funktionieren überall dort, wo Wartezeit entsteht: vor dem Essen, beim Anziehen in Etappen, in der Garderobe. Schneeflocken falten ist der Klassiker für Tage, an denen draußen kein Schnee liegt und die Kinder trotzdem welchen wollen: Papier mehrfach falten, Zacken hineinschneiden, aufklappen. Jede Flocke ist anders, und am Fenster aufgehängt verändern sie den ganzen Raum. Tier-Yoga schließt den Nachmittag ab. Katzenbuckel, Baum, schlafender Bär – die Kinder ahmen Tiere nach und werden dabei ruhiger, ohne dass jemand Ruhe verordnen muss. Eine Decke pro Kind genügt.
Sechs Adventsspiele: Licht, Klang und Kreiszeit statt Konsumdruck
Die Adventszeit hat in der Kita ein eigenes Problem: Sie ist von außen schon voll. Wunschzettel, Schokolade, Nikolausstiefel, Werbung – die Kinder kommen mit einer Erwartungshaltung in die Gruppe, die keine Fachkraft erfüllen kann und auch nicht erfüllen sollte. Deshalb setzen diese sechs Adventsspiele auf Licht, Klang und gemeinsame Kreiszeit statt auf Geschenke. Das Warten selbst wird zum Inhalt. Laterne basteln ist der Einstieg: Transparentpapier reißen, auf ein Glas kleben, ein LED-Teelicht hineinstellen. Wenn im abgedunkelten Gruppenraum zwölf Laternen gleichzeitig leuchten, wird es von selbst leise. Licht und Schatten erkunden knüpft direkt daran an: Mit einer Taschenlampe werfen die Kinder Schatten von Alltagsgegenständen an die Wand und raten, was da steht. Warum wird der Schatten größer, wenn die Lampe näher kommt? Die Frage beschäftigt eine Gruppe erstaunlich lange. Das Schattentheater ist die große Variante davon und eignet sich als Adventsritual über mehrere Wochen: Ein Bettlaken, eine Lampe dahinter, Figuren aus Pappe – und die Kinder spielen jede Woche eine Szene weiter. Beim Klanggeschichte erzählen bekommt jedes Kind ein Orff-Instrument und einen Einsatz: Die Triangel ist der Stern, die Trommel sind die Schritte im Schnee, die Rassel ist der Wind. Vorgelesen wird langsam, damit alle drankommen. Stille Post passt genau in diese Zeit, weil es nichts kostet und nur Konzentration verlangt. Im Adventskreis mit winterlichen Begriffen gespielt, ist es außerdem eine unauffällige Sprachförderung. Fensterbilder mit Transparentpapier macht sichtbar, worum es in dieser Jahreszeit geht: Ab November kommt das wenige Tageslicht farbig in den Raum, und jedes Kind erkennt sein eigenes Bild von draußen wieder.
Wohin im Tagesablauf: Morgenkreis, Nachmittag, Regentag
Wo die Spiele sitzen, entscheidet oft mehr als das Spiel selbst. Im Morgenkreis funktionieren die ruhigen Formate am besten, weil die Gruppe erst ankommen muss: Klanggeschichte, Stille Post oder ein kurzer Blick auf die gebastelten Laternen. Am Nachmittag ist es umgekehrt – zwischen Mittagsruhe und Abholzeit kippt die Stimmung schnell, und Stopptanz oder der Kissen-Parcours holen die Kinder besser ab als jedes Angebot am Tisch. Für den klassischen Regentag im Winter, an dem der Garten komplett ausfällt, hat sich eine Dreiteilung bewährt: erst Bewegung, dann ein Angebot am Tisch wie Schneeflocken falten, dann etwas Ruhiges mit Licht. Wer diese Reihenfolge einmal hat, muss den Tag in der dunklen Jahreszeit nicht jedes Mal neu erfinden.
Wenn eine Idee fehlt
Zwölf Spiele decken den Winter nicht vollständig ab – dafür sind die Gruppen zu unterschiedlich. Wenn eine Idee fehlt, liefert der Spielideen-Generator auf spielgenerator.de nach Alter, Ort und Dauer gefilterte Vorschläge, auch für drinnen und für kurze Zeitfenster. Für Tage, an denen gar nichts geht, lohnt sich außerdem der Blick in die Sammlung Spielideen für den Regentag in der Kita. Und wer die Adventszeit als festes Ritual aufziehen will, findet im Themenpaket Morgenkreis die passenden Bausteine für den täglichen Start in der Kita.